Ein Trauma ist immer ein Ereignis, das körperlich – seelische Spuren hinterlässt.
Dies gilt auch für traumatische Ereignisse, die keine unmittelbar körperliche (sichtbare) Schäden hinterlassen.
 
Wenn Flucht oder Kampf bei einer überwältigenden Erfahrung nicht möglich sind, kommt es zu einer ohnmächtigen Erstarrung. Wenn diese Erstarrung anhält, entsteht  im Körper enormer Stress. Wenn dieser Stress nicht abgebaut werden kann, nennt man ihn posttraumatischen Stress.
Bleibt der posttraumatische Stress bestehen, kann es zu einer Posttraumatischen Belastungsstörung kommen. Hierzu zählen: Flashbacks – das sind erlebte sensorische Wiederholungen des Ereignisses, das Vermeiden von Dingen, die an das Trauma erinnern und eine chronisch übermäßige Erregung des Autonomen Nervensystems.
 
Beängstigende körperliche Symptome entwickeln sich häufig aus der anhaltenden Übererregung des Autonomen Nervensystems. Der Körper bleibt in der Reaktion
auf das traumatische Ereignis quasi stecken.
Diese Reaktionen sind: Beschleunigung der Herzfrequenz, Schweißausbruch, schneller Atem, starke Schreckreaktion und Fahrigkeit, Überregung.
 
Wenn diese Symptome chronisch werden, können sie sich zu Schlafstörungen, Appetitverlust, sexuelle Störungen und Konzentrationsstörungen und zu psychosomatischen Krankheiten entwickeln.
 
Für die Betroffenen entstehen oft verwirrende und auch beängstigende psychische und somatische Symptome. Diese zeigen sich, eventuell erst Jahre später, als Übererregbarkeit, Überaktivität, jähzornige Wutausbrüche, Ängste, Panik, Gewichtszunahme, Veränderung der Libido, Depressionen, Gefühle von Entfremdung, Konzentrationsstörungen, Bindungsunfähigkeit, Schlafstörungen, Erschöpfung, anhaltende Müdigkeit, chronische Schmerzen, Migräne, Nacken- und Rückenprobleme, Probleme mit dem Immunsystem oder dem hormonellen System, Burnout u.v.a.m.
 
 
 
Was im Körper und der Seele
bei der Entstehung eines Traumas geschieht
 
„Traumasymptome entstehen nicht durch das traumatische Erlebnis,
sondern durch erstarrte Energie, die nach dem Abklingen des traumatischen
Erlebnisses nicht aufgelöst worden ist.“ Peter Levine
 
 
Automatische Überlebensreaktionen sind Flucht, Kampf und Erstarrung.
 
In einem faszinierenden Zusammenspiel von Gehirn und Autonomen Nervensystem reagiert der Körper auf Gefahr und stellt alle nötigen Kräfte in allen Organen und Muskulatur für eine Abwehrreaktion (Flucht oder Kampf) zur Verfügung.
In Gefahrensituationen sind wir zu großen Leistungen fähig.
 
Ist eine Abwehr der Gefahr aber nicht möglich, weil sie zu überwältigend ist, schaltet das System auf Erstarrung.
Ähnlich wie eine Maus, die sich tot stellt, wenn sie von einer Katze gefangen wird.: wenn sie nicht von der Katze gefressen oder getötet wird, erwacht sie eine Zeit später wieder aus ihrer Erstarrung.
 
Dies sind starke, instinktive Reaktionen, die bewusst nicht entschieden werden können.
 
Tiere in freier Wildbahn sind oft lebensbedrohlichen Situationen ausgesetzt, aber sie zeigen keine Traumasymptome. Es wurde beobachtet, dass sie die übermäßige Energie durch Zucken, Beben, Zittern entladen können und sich so regenerieren.
 
Der Mensch besitzt auch diese Möglichkeit der Entladung, aber die Entladung geschieht nicht automatisch. Unsere höher entwickelten Gehirnanteile, unsere Erziehung u.a.  hindern uns daran, oft ist es auch eine „Angst vor der Angst“.
 
(Schuldgefühle  und Scham plagen traumatisierte Menschen oft. Sie werfen sich vor,
dass sie erstarrt sind und sich in der bedrohlichen Situation nicht gewehrt haben
oder nichts dazu getan haben, um zu kämpfen oder zu flüchten. Hier ist es wichtig
und entlastend, zu wissen, dass die Erstarrung ein wichtiger biologischer Schutzmechanismus ist, der instinktiv geschieht.)
 
Der Körper, der auf eine Gefahr mit Erstarrung reagiert hat, wirkt nach außen hin intakt, aber innen ist er total aufgeladen. Die ganze Energie, die zum Überleben zur Verfügung gestellt wurde, ist angestaut und konnte sich in der Erstarrung nicht entladen. Das gesamte System bleibt in diesem übererregten Zustand hängen.
Der traumatisierte Mensch kann sich selbst nur schwer beruhigen. Gehirn und autonomes Nervensystem verhalten sich so, als sei die Gefahr noch immer da, auch wenn das Ereignis lange zurück liegt. So kommt es zu den eingangs beschriebenen Symptomen.
 
Somatic Experiencing® (SE)
 
wurde von dem Traumaforscher Dr. Peter Levin entwickelt.
SE® ist eine psycho-physiologische Methode zur Behandlung und Heilung der Folgen von  Schock und Trauma.
 
„Ein Trauma ist im Nervensystem gebunden. Es ist somit eine biologisch
unvollständige Antwort des Körpers auf eine als lebensbedrohlich erfahrene Situation. Das Nervensystem hat dadurch seine volle Flexibilität verloren.
Wir müssen ihm deshalb helfen, wieder zu seiner ganzen
Spannbreite und Kraft zurückzufinden“.
( Peter Levine )
 
In der Traumatherapie wird mit SE das Erleben des Traumas geistig und körperlich „neu verhandelt“.
Eine zu starke emotionale Belastung (Re-traumatisierung) wird dabei verhindert, indem man sich auf die physiologischen Regulationskräfte des Nervensystem konzentriert.
 
Die Erstarrung und die Überregung des Nervensystems wird in sehr kleinen Schritten aufgelöst („entladen“).
Der therapeutische Weg führt über „Spüren“ und achtsames Gewahrsein von körperlichen Empfindungen, inneren Bildern, Gedanken und Gefühlen.
 
Dabei spielt die Entdeckung vorhandener und die Entwicklung neuer Ressourcen bzw. persönliche Kraftquellen eine wichtige tragfähige Rolle im therapeutischen Prozess der Traumaaufarbeitung.
 
Auch ist das Erlernen der Herstellung von Sicherheit und die Fähigkeit zur Selbstregulation und Beruhigung eine Basis der Methode.
 
Die eingefrorene, erstarrte Überlebensenergie kann wieder frei werden.
 
Ich erlebe SE® als eine große Bereicherung und gute Ergänzung zu den anderen in meiner Praxis angewandten Therapieformen.
Die Methode SE® kann als einzelne Therapiemethode oder bei Bedarf im Prozess einer laufenden Psychotherapie angewendet werden.
 
Literatur:
 
Levine, Peter A.:
Sprache ohne Worte.
Wie unser Körper Trauma veerarbeitet und uns in die innere Balance zurückführt.
 
Rothschild, Babette:
Der Körper erinnert sich. Die Psychophysiologie des Traumas und der Traumabehandlung
 
Levine, Petr A., Kline, Maggie:
Verwundete Kinderseelen heilen.
Wie Kinder und Jugendliche traumatische Erlebnisse überwinden können.
 
Link zur Website von Somatic Experiencing® e.V. Deutschland:
http://www.somaticexperiencing.de